Lebenslanges Lernen in den Fokus

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„Wer zuerst kommt…“, dachten sich die Akteure des Regionalen Weiterbildungsrates Barnim und luden schon mal die Kandidaten für die Brandenburger Landtagswahlen in die Kreisvolkshochschule nach Bernau ein, um ihnen in Sachen Weiterbildung auf den Zahn zu fühlen. Die KVHS stellt den bekanntesten der vier Bildungsträger des Gremiums dar, des Weiteren gehören die Akademie 2. Lebenshälfte, Bildung-Begegnung-Zeitgeschehen (bbz bernau) und die Urania Barnim zum Quartett der Weiterbildungseinrichtungen im Landkreis.

Alle zusammen realisieren jährlich mehr als 8.681 Unterrichtsstunden in der Fortbildung – vom Sprachkurs bis zum Medizinischen Sonntag –, wobei nur die genannte Anzahl vom Land gefördert wird. Dies ließ die Politiker*innen, die alle (außer der AfD) der Einladung gefolgt waren, schon mal aufhorchen. Allerdings, so betonten die Bildungsträger, ist die regionale Nachfrage nach Weiterbildung in der Bevölkerung höher als die geförderte Stundenzahl. Diese wird über das Weiterbildungsgesetz geregelt, welches – so die übereinstimmende Ansicht aller Anwesenden – dringend den Entwicklungen angepasst werden muss. Für die geringen Angebote im ländlichen Raum und die Erreichung der jüngeren Zielgruppen kann auch die Digitalisierung nicht als „Allheilmittel“ herhalten. Das sahen die anwesenden Landtagskandidaten genauso. Sie stellten eine engere Zusammenarbeit mit Hochschulen und Unternehmen als zukunftsweisende Richtung heraus. Dies sei zum Teil schon gelebte Realität, konkretisierten die Praktiker*innen. Die Eberswalder Hochschule für Nachhaltige Entwicklung ist offen für Kooperationen in unterschiedlichen Bereichen. Auch gebe es angepasste Sprachkurse direkt für Unternehmen. Jedoch sei die wirtschaftsorientierte Ausrichtung der Erwachsenenbildung nicht vorrangig zu sehen. Bildung bringt die Bürger*innen zusammen, hat soziale, gesundheitsfördernde, identitätsstiftende und andere positive Effekte für die gesellschaftliche Entwicklung. Zudem umfasst die Weiterbildung einen viel längeren Zeitraum als die Schul- und Ausbildung, was im Begriff „Lebenslanges Lernen“ zwar seinen Niederschlag, aber in der politischen Umsetzung noch nicht ausreichend Eingang gefunden hat. Dies sollten die Landespolitiker*innen mit auf den Weg zur Landtagswahl nehmen, wünschten sich die Gastgeber.